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T.Hartwig-ELektronik
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Staufenberg
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Der Kondensator
ist wohl das wichtigste passive Bauteil in der Audiokette
Kein
anderes Bauteil wird mit so viel Interesse behandelt und akribisch ausgesucht.
Es
gibt eine Unmenge von Kondensatoren auf dem Markt. Angefangen von einfachen
Ausführungen bis hin zu extremen Typen, die an die Grenze des Machbaren
reichen.
Deshalb
versuchen wir hier, die physikalischen Zusammenhänge dieses interessanten
und oft begehrten Bauteiles auf einfache Weise, auch im Zusammenhang mit
der Wahrnehmung des menschlichen Gehörsinnes, zu beschreiben, damit
der Anwender eine mögliche Beziehung zu den klanglichen Eigenschaften
selbst herstellen kann.
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Die Themen
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1.
Kleine Kondensatorlehre
Um
die Daten eines Kondensators in Audioschaltungen besser beurteilen zu können,
sollte man ein paar Grundfunktionen verstehen. Ein Kondensator besteht
aus zwei gegenüberliegenden elektrisch leitenden Flächen, die
voneinander isoliert sein müssen. Legt man eine Spannung an die beiden
"Platten", so fließt kurzzeitig ein Strom, bis die Platten auf die
angelegte Spannung aufgeladen sind. Danach fließt kein Strom mehr.
Die Spannung wird ähnlich wie in einem Akku gespeichert. Belastet
man den Kondensator mit einem Widerstand, so fließt ein Strom durch
diesen, bis der Kondensator wieder entladen ist.
Die Strommenge, die ein
Kondensator aufnehmen kann, hängt von der Größe seiner
Kapazität ab. Die Größe der Kapazität hängt im
wesentlichen von drei Faktoren ab:
1. Die Größe
der gegenüberstehenden Flächen.
2. Der Abstand zwischen
den beiden Flächen. Je kleiner der Abstand, desto größer
die Kapazität.
3. Die Isolationsfaktor
zwischen den Flächen. Je höher der Isolationsfaktor, desto größer
die Kapazität (Luft ist ein schlechter Isolator).
Wie wirkt ein Kondensator?
Das
kommt auf den Anwendungsfall an. Wenn man, wie in der nebenstehenden Skizze
gezeigt, über einen Widerstand vorerst eine Gleichspannung anlegt,
geschieht folgendes. Über den Widerstand fließt ein Ladestrom
durch den Kondensator. Je höher die Spannung am Kondensator steigt,
desto weniger Spannung fällt über den Widerstand ab und desto
weniger Strom fließt gegen Ende des Ladevorgangs. (Die Kurve der
Ladespannung entspricht daher einer "e-Funktion"). Je größer
der Widerstand und je größer die Kapazität, desto länger
dauert das Aufladen.
Beim Anlegen einer Wechselspannung
sieht die Sache etwas anders aus. Bei niedriger Frequenz hat der Kondensator
Zeit, sich aufzuladen und bei umgekehrter Polarität wieder zu entladen.
Bei höheren Frequenzen
hat er keine Zeit, sich aufzuladen, wenn die Sinusspannung ihre max. Höhe
erreicht hat und wieder abfällt. Die Schaltung lässt also tiefe
Frequenzen besser durch, während hohe Frequenzen abgeschwächt
werden (Tiefpass). Bei einem bestimmten Verhältnis zwischen
Widerstand, Kapazität und Frequenz hat der Kondensator die 0,707-fache
Spannung. Das nennt man dann ein -3dB Filter mit 6dB/Oct Flankensteilheit.
Das
Ganze funktioniert entsprechend umgekehrt. Nebenstehende Skizze zeigt einen
Hochpass.
Wird eine Eingangsspannung angelegt, fließt wiederum ein Ladestrom
über den Kondensator und Widerstand. Jetzt werden hohe Frequenzen
ungehindert durchgelassen. Wechselt die Polarität der Eingangsspannung,
hat der Kondensator noch keine Zeit gehabt, sich aufzuladen. Somit folgt
die Ausgangsspannung der Eingangsspannung. Steigt und fällt die Eingangsspannung
hingegen langsam, (tiefe Frequenzen) wird der Kondensator über
den Widerstand geladen und entladen, wodurch die Ausgangsspannung nahe
Null bleibt. Erst wieder bei einem bestimmten Verhältnis zwischen
Widerstand, Kapazität und Frequenz liegt am Widerstand die 0,707-fache
Spannung an. Auch hier entsteht dadurch ein -3dB Filter mit 6dB/Oct Flankensteilheit.
Die
beiden genannten Schaltungen sind perfekt, da sie niemals einen reinen
Sinus-Ton verändern können. Ein vollkommenes Sinus-Signal bleibt
nach Durchlaufen eines Kondensators immer ein vollkommenes Sinus-Signal,
auch wenn es abgeschwächt und somit auch zeitversetzt wird. Aber -
Ja, jetzt kommt das große "Aber".
Das ganze gilt nur, wenn
wir einen idealen Kondensator hätten - und den gibt es nicht. Man
kann sich nur durch eifrige Forschung und Entwicklungsarbeit immer näher
an dieses Ziel heranarbeiten. Ein Kondensator beeinflusst auf verschiedene
Weise den Klang - je nach Aufbau, Qualität und technischer Parameter.
Daher muss man erst einmal die "Störfaktoren" eines Kondensators genauer
betrachten.
Daraus ergibt sich die Frage: |
2.
Welche Parameter beeinflussen den Klang?
Ein Kondensator wäre
ideal, wenn er nur rein kapazitiv wirken würde. Aufgrund seines Aufbaus,
Wickeltechnik, Kontaktierungen, Folien- und Isoliermaterialien kommen einige
unerwünschte Effekte hinzu. Diese bestehen hauptsächlich aus
zusätzlichen Induktivitäten und Widerständen. Das Ganze
kann man als ein Ersatzschaltbild darstellen.
Die
Induktivität
(Wechselstromwiderstand) und der Ohmsche Anteil des Wechselstromwiderstandes
(=ESR =Ersatzserienwiderstand) sind zwar nicht real als Bauteil
vorhanden, jedoch verhält sich ein Kondensator diesem Schaltbild entsprechend
und verändert daher die Wirkung der oben gezeigten Filter- und Koppelschaltungen
in messtechnischer und klanglicher Hinsicht.
Der ohmsche Anteil
setzt sich aus Teilwiderständen zusammen, wie z.B. dem Zuleitungs-
und Folienwiderstand und verändert sich über der Frequenz. Die
Induktivität
ist ebenfalls ein frequenzabhängiger Widerstand, und somit auch klangbeeinflussend,
da nicht jede Frequenz gleichbehandelt wird und sich bei einer bestimmten
Frequenz eine Resonanz einstellt. Ein Hochpass hat somit keine unbegrenzte
obere Frequenz.
Zwei Fragen
versuchen wir jetzt zu klären:
A.
Wodurch entstehen die unerwünschten Eigenschaften?
B.
Welche Auswirkungen auf den Klang haben sie?
A.
Dazu
muss man noch einmal genau den Kondensatoraufbau betrachten. Wie schon
erwähnt, besteht ein Kondensator aus zwei gegenüberliegenden
leitenden Fächen. In der Praxis sieht das so aus, dass in der Regel
ein Isoliermaterial als Folie entweder mit einer leitenden Schicht bedampft
wird, oder zwischen zwei reinen Metallbelägen liegt. Zwei solcher
Anordnungen werden übereinandergelegt und aufgewickelt, oder kleine
Einzelfolien einzeln geschichtet. Die Enden werden kontaktiert und als
Anschlussdraht herausgeführt.
Die zusätzliche
Induktivität entsteht durch einen Wickel, der sich hier ähnlich
verhält wie eine Spule - wenn keine Stirnkontaktierung stattfindet
- und somit den Lade/Entladestrom bremst. Auch Schichtkondensatoren haben
eine Rest-Induktivität, da jeder Leiter eine zur Länge proportionale
Induktivität besitzt. Zusätzlich bilden die inneren Kontaktierungen
Induktivitäten.
Der Widerstand (ESR=ohmsche
Anteil des Wechselstromwiderstandes) zeigt sich überall dort, wo durch
Stromfluss Wärme entsteht. Das sind wiederum die Kontaktierungen,
die Folienlängen und Materialbeschaffenheiten. Er errechnet sich aus
dem Tangens-Delta und Serienkapazität.
Wie tan-dund
ESR zusammenwirken, zeigen die nachstehenden einfachen Formeln
Formel 1 (leicht zu
merken)
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tan-d
= 2pi
x f x C x ESR
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Formel
2 (Formel 1 umgestellt)
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ESR
= tan-delta / (2pi x f
x C)
|
Die
Induktivität kommt erst bei sehr hohen Frequenzen mit ins Spiel, und
hat somit bis 100kHz auf den
tan-delta einen verschwindend geringen
Einfluss, so dass wir "L" aus der Formel rauslassen.
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Da der ESR mit dem tan-d verbunden
ist, ist er ebenfalls frequenzabhängig. Der ESR sinkt mit steigender
Kapazität.
Aus der Formel ist folgendes
zu erkennen: Steigt bei hohen Freuenzen der tan-d stark an, bleibt der
ESR dabei relativ konstant. Bei kleinem tan-d-Anstieg sinkt der ESR bei
hohen Frequenzen deutlich mehr. Das ist von der Beschaffenheit des Kondensators
abhängig.
Was
ist der Verlustwinkel "Tangens-Delta"?
| Das ist das Verhältnis
von ESR zu Blindwiderstand ZLC |
Der Tangens-Delta gibt somit
an, um welchen Faktor der Strom gegenüber der Spannung am Kondensator
abweicht (Idealfall: Strom = 90° voreilend; tan-d
= 0). Dieser sogenannte Verlustwinkel stellt -einfach gesagt- die
Summe
der unerwünschten elektrischen Auswirkungen dar. Der Verlustwinkel
wird vom ESR, von der Induktivität und vom Material des Dieelektrikums
bestimmt, das bei schneller Umpolung der Kondensator-Beläge wie eine
Bremse wirkt.
Die Werte der verschiedenen
Verlustfaktoren zueinander bestimmen den Tangens-Delta-Verlauf über
die Frequenz. Der für Audio interessante Bereich ist 1-100kHz.
Die Werte der besten Kondensatoren
laut Herstellerangaben (meistens auf 1µF bezogen):
tan-d bei 1kHz:
durchschnittlich
3x10-4 (0,0003)
tan-d bei 10kHz:
durchschnittlich
4x10-4
(0,0004)
tan-d bei 100kHz:
ca. 3x10-2
bis
3x10-3
(0,03-0,003)
Der "Tangens-Delta" ist
frequenzabhängig über dem Blindwiderstand und temperaturabhängig
über dem ESR.
Der "Tangens-Delta" steigt
normalerweise mit der Frequenz, mit der Kapazität und mit der Temperatur.
Das Steigen des "Tangens-Deltas"
mit der Frequenz bedeutet, dass die Spannungssteilheit eines Kondensators
begrenzt ist. Die Spannungssteilheit (dV/dt = delta Volt / delta time)
ergibt sich aus Frequenz und Spannung, wo der Kondensator noch relativ
niedrig in den Verlusten bleibt.
Die Spannungssteilheit
ist ein Absolutwert und daher aussagekräftiger
B.
Die klanglichen Auswirkungen von Induktivität, ESR und tan-d.
Der Wert des Tangens-Delta
bei einer bestimmten Frequenz ist nicht immer aussagekräftig für
den Klang, eher der Gesamtverlauf bis 100kHz. Steigt er stark an, werden
nicht alle Frequenzen gleich behandelt, ändert er sich zwischen 1kHz
und 100kHz weniger (wie z.B. bei Metallfolienkondensatoren üblich),
so dürfte das Frequenzspektrum eines Impulsgemisches zeitgenauer übertragen
werden.
Ein Kondensator würde
also hohe Frequenzen unbegrenzt durchlassen, oder kurzschließen,
wenn die Verluste
nicht wären. Schaltet man ihn in Reihe
vor einen Mittel- oder Höchtöner, oder als Kopplung in Audioschaltungen,
bremst er also Impulse ab einer bestimmten Steilheit, mehr oder weniger
ab - je nach Verlustfaktoren. Das hat zur Folge, dass nicht alle Frequenzen
im Durchlassbereich gleichbehandelt werden. Höchste Frequenzen werden
Amplituden- und zeitverschoben = differenzielle Phasenfehler.
Allerdings
sollte man bedenken, dass 1m Kabel mehr Induktivität hat (ca. 800nH),
als ein guter Kondensator (ca. 10-40nH).
Somit
ist die Induktivität eines Kondensators an manchen Stellen in einer
Frequenz-Weiche völlig unwichtig.
(siehe Ersatzschaltbild am Anfang dieses 2. Kapitels)
Die
folgenden Zusammenhänge sollte man sich genau merken!! (gelten
nicht nur für Kondensatoren).
Jeder Impuls (oder
ein komplexes Signalgemisch), egal welche Form, setzt sich immer
aus vielen verschiedenen Teil-Sinusfrequenzen zusammen (nach der Analyse
von Fourier), wodurch so ein Signalgemisch nach Durchlaufen eines Bauteiles,
eines Kabels, eines Übergangskontaktes, o.ä., durch Zeitversetzung
der einzelnen Teilfrequenzen mehr oder weniger verändert wird.
Info-Links
(oder das Suchwort "Fourieranalyse"
in einer Suchmaschine eingeben).
Wenn
auf das Ohr ein gewaltiger Schwingungsmix in Form einer sehr komplexen
Schalldruckfunktion, wie z.B. Musik, trifft, können wir dennoch einzelne
Instrumente und Töne heraushören, da unser Gehirn nämlich
auch eine Art Fourieranalyse vornimmt. Ein mathematisch sehr komplexer
Vorgang.
Gerade im Hüllkurvenbereich
von
Instrumenten wirkt dies sehr dramatisch. Die Hüllkurve ist der wichtigste
Moment im Schalldruckverlauf und stellt den Anfangsimpuls (oder Anschlag)
eines Instrumentes dar.
Wir haben die Möglichkeit
auf einem Synthesizer Hüllkurven zu generieren oder zu löschen.
Löscht man die ersten Millisekunden eines Klavieranschlages, ist anschließend
das Instrument ohne diesen Anschlag kaum noch erkennbar. Es besteht aus
einem fast reinen Sinuston.
In der Hüllkurve (auch
Transienten = einmalige flüchtige Ereignisse) sind alle Informationen
des Schallereignisses enthalten wie, Art des Instrumentes, Richtung und
Platzierung im Raum, Lautstärke über der Entfernung des Instrumentes
(unabhängig von der tatsächlich empfundenen Lautstärke).
Hüllkurve und Oberschwingungen
enthalten sogar Signale, die es uns ermöglichen Klänge zu erkennen,
in denen bestimmte Informationen verlorengegangen sind: So kann man aus
einem Mini-Lausprecher, der keine tiefen Töne überträgt,
einen Kontrabass heraushören, da unser Gehirn aus der Information
der Hüllkurven und Oberschwingungen den tiefen Ton interpretiert und
wir meinen ihn zu hören.
Das Gleiche gilt beim Loslassen
einer Gitarrenseite - oder wenn beim Trommelanschlag der Stock die Trommelhaut
berührt - ja, jeder Startmoment eines Geräusches enthält
eine einmalige komplexe Schallinformation. Auch die Überlagerung von
Raumhall zum Originalschall muss mikrosekundengenau übereinstimmen,
damit das Ohr den exakten Ort im Raum ausmachen kann. |
Daher wirken sich feinste
Nuancen in der Impulsverarbeitung von Bauteilen oft dramatisch auf den
Klang aus.
Beim Kondensator ist somit
die Dynamik der einzelnen Bestandteile des Verlustfaktors
maßgeblich
an diesen Vorgängen beteiligt, und nicht ein einzelner statischer
Wert. Daher klingt jeder Kondensator schon deshalb anders als andere, weil
bei Kondensatoren kaum alle Parameter gleiche Werte zueinander aufweisen
und somit jeder die Transienten auf seine Weise beeinflusst. Daher ist
die reine Sinuswidergabefähigkeit eher unwichtig; genauso, wie ein
reiner Sinus langweilig klingt.
Man kann somit schlussfolgern,
dass die
Induktivität weniger wichtig als der gleichmäßige
Tangens-Delta-Verlauf
ist, was einem sinkenden ESR bei hohen Frequenzen entspricht.
(Der ESR muss auch
für Hochstrombelastungen möglichst niedrig sein, da sich sonst
der Kondensator zu sehr erwärmt, was sich negativ auf andere Eigenschaften
auswirkt.)
Gemäß obigen
Formeln würde ein kleiner Tangens-Delta-Anstieg von 1 bis 100kHz in
Zusammenhang zu einem gleichzeitig stärker sinkenden ESR stehen. Zeitverzerrte
Frequenzen würden dann weiter in Richtung MHz-Bereich verschoben werden
(=geringste
differenzielle Phasenfehler im Audiobereich).
Aus ähnlichen Gründen
strebt man auch bei audiophilen Verstärkern Anstiegszeiten von unter
1µs an (ca. 1MHz Bandbreite), um Lautsprecherchasis, die besonders
auf Zeitgleichheit ausgelegt sind, optimal anzusteuern (siehe z.B. Manger-Schallwandler). |
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3.
Wie sollte der kompromisslose Audio-Kondensator aufgebaut sein?
Ein Kondensator, der dem
audiophilen Ideal am nächsten kommt, sollte also vorrangig einen möglichst
über die Frequenz gleichmäßigen Tangens-Delta-Verlauf aufweisen,
bzw. alle Maßnahmen sollten getroffen sein, um eine möglichst
schnelle und zeitlich lineare Übertragung aller geforderten Frequenzen
bei kleinen und großen Strömen zu ermöglichen.
Also kurz gesagt: Er
soll das Audiosignal gar nicht beeinflussen.
Durch bestimmte Wickel/Schicht-Techniken
und Stirnkontaktierungen lassen sich die Induktivitäten heute so weit
reduzieren, dass sie fast nur noch von den Anschlussdrähten und der
inneren Kontaktierung bestimmt werden. Richtwert ca. 0,8nH pro mm.
Die Kapazität wird
nicht nur von der Flächengröße der leitenden Beläge
bestimmt. Ein möglichst kleiner Abstand und möglichst hoher Isolationsfaktor
zwischen den Belägen vergrößert die Kapazität - oder
verringert den Materialaufwand (also auch die Verluste) bei gleicher Kapazität.
Die Isolation zwischen den Belägen sollte also sehr homogen (spiegelglatt)
sein, um Lufteinschlüsse zu vermeiden, da Luft ein schlechter Isolator
ist.
Auch hohe Impulstromfähigkeit
und mechanische Stabilität ist erwünscht, da der Strom mit
der Schnelligkeit steigt und die Kondensatorplatten sich durch schnelle
Polaritätsänderungen anziehen und abstoßen, was die Kapazität
verändern kann und Mikrofonie-Empfindlichkeit begünstigt. Beides
wird durch massive Metallfolien verringert.
MKP-Kondensatoren
Als hervorrangendes Isolations-
und Trägermaterial (Dielektrikum) hat sich Polypropylenfolie
(PP) erwiesen. Es weist den geforderten hohen Isolationswiderstand auf
und kann sehr dünn hergestellt werden. Metallisiert nennt man es MKP-Folie.
Das
Material und die Technik des aufgedampften Metall-Belages ist auch sehr
maßgebend.
Die durchschnittliche Stärke
des aufgedampften Metallbelages beträgt
ca. 0,05µm.
Als Belag wird hauptsächlich
Alu,
bzw. Alu-Zink
verwendet.
Silber hat einen
ca. 1,7-fach höheren Leitwert als Alu und wird gewöhnlich als
Pastengemisch auf die Folie aufgetragen.
Eine
höherer Leitwert trägt vermutlich wesentlich zur Klangverbesserung
bei.
MKP-Kondensatoren haben
ein größeres Volumen, als solche mit einfacheren Materialien
aufgebauten, sind jedoch noch relativ kompakt gegenüber denen mit
reinen Metallfolien. Die Spannungssteilheit liegt im Mittel bei 1-100V/µs
(je nach Spannungsfestigkeit).
Eine Steigerung
der Strom- und Spannungsanstiegs-Geschwindigkeit
(ca. 2-fach), die
nicht nur in Frequenzweichen sondern auch bei Kleinsignalkoppelungen wegen
der Impulsgenauigkeit vorteilhaft sein kann, lässt sich z.B. durch
eine doppelseitige Metallisierung (MMKP) mit zusätzlicher PP-Folie
erzielen.
Film-Foil-Kondensatoren
(auch KP oder Metallfilm)
Eine besonders hohe Steigerung
der Spannungssteilheit (dv/dt = >1000V/µs) und somit auch des Leitwertes,
lässt sich durch die bekannten und begehrten
FILM-FOIL
(KP)-Kondensatoren erzielen. Hier wird statt des aufgedampften
Metallbelages eine massive Metallfolie
verwendet
(z.B. Alu (Alu-Zink), Kupfer, Zinn, Silber).
Durch Auswahl einer hohen
Folienstärke von ca. 10µm kann eine enorm höhere
Leitfähigkeit und Impulsfestigkeit gegenüber wesentlich dünneren
metallisierten Belägen erreicht werden (ca. 100-200-fach). Solche
Kondensatoren sind bei hohen Kapazitäten allerdings sehr groß.
Deshalb gibt es selten Werte über 10-20µF.
Messungen zeigen, dass Kondensatorarten
mit Metallfolien in der Regel einen kleineren Anstieg des Verlustfaktors
bei 100kHz gegenüber 1kHz aufweisen. MKPs ca. 30 bis 100-fach, Metallfolien
ca. 30-fach und weniger, Metallfolien in Ölpapier, je nach Material,
3- bis 5-fach (alles auf 1µF bezogen). Je geringer der Anstieg,
desto höher die Spannungssteilheit dV/dt und geringer die differenziellen
Phasenfehler für Impulse im Audiobereich - besonders bei höheren
Spannungen.
Ein MKP-Kondensator könnte
bei höheren Spannungen im Audiobereich schon die Grenze seiner Steilheit
erreicht haben. Die Steilheit eines guten KP-Kondensators liegt auch bei
höchsten Spannungen weit außerhalb des Audiobereiches.
Nachteilig könnte bei
den Metallfolien das größere Volumen und die fehlende Selbstheilfähigkeit
bei Durchschlägen sein.
Letzteres erfordert die
richtige Materialauswahl und eine besonders hohe Qualität in der
Fertigung und somit eine sorgfältige Auswahl des Herstellers.
Zur Steigerung der Betriebsspannung
(>600VDC) sind innere Reihenschaltungen üblich. Dadurch liegt an einem
Teilkondensator nur die Hälfte der Spannung an, wdurch man den überproportionalen
Isolationsaufwand bei höheren Spannungen minimieren kann.
Reihenschaltung
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Stirnkontaktierter
Wickelkondensator
Seitenansicht
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Reihenschaltung zur
Spannungserhöhung.
An jedem Teilkondensator
liegt nur die
Hälfte der Betriebsspannung
an
|
Reihenschaltung in der
Praxis:
Jeder zweite Belag ist in
der Mitte unterbrochen.
Bei genauem Hinsehen kan
man die
linke Schaltung wiedererkennen
|
Ölpapier-Kondensatoren
Wird Papier als Isolator
der Metallfolien verwendet, wird dieses mit Öl getränkt,
um die Alterungsprozesse des Papiers zu minimieren und die Oberfläche
des "rauhen" Papiers zu homogenisieren, was den Isolationsfaktor erhöht.
Die Steilheit gegenüber metallisierten Belägen ist auch hier
drastisch erhöht und bietet einen gleichmäßigeren Verlauf
des Verlustfaktors über der Frequenz. Jedoch altert ein Ölpapierkondensor
oft frühzeitig.
Glimmer-Kondensatoren
Glimmer ist ein Dielektrikum
der besonderen Art mit ebenfalls extrem niedrigen Verlustfaktoren. Solche
Kondensatoren gibt es meistens nur in sehr kleinen Werten, da sie sonst
ungewöhnlich groß und teuer wären. Außerdem sind
die erzielten extremen "Schnelligkeiten" meist nur bei Hochfrequenz gefordert,
wo ohnehin nur kleine Kapazitäten eingesetzt werden. Die Werte liegen
in der Regel zwischen <1pF bis 100nF, bei kleinen Spannungen auch bis
über 100nF.
Glimmer, ein Naturprodukt
das sich über Millionen von Jahre abgelagert hat, ist ein ideales
Dielektrikum für Kondensatoren mit folgenden Eigenschaften:
· weiter Temperaturbereich
von -55°C bis +200°C
· extreme Stabilität
über den gesamten Temperaturbereich typisch 0 bis +70ppm/°C
· hohe Spannungsfestigkeit
bis 150KV
· einsetzbar für
hohe Frequenzen bis in den GHz-Bereich
Glimmerkondensatoren
bestehen in der Regel aus Glimmerpapier (Mica-Paper) mit einer aufgedampften
Silberschicht, und können eine Spannungssteilheit von über 100.000V/µs
und Induktivitäten bis unter 3nH erreichen. Sie sind sehr beliebt
in Filterschaltungen, wo sie aufgrund ihrer Eigenschaften eine beträchtliche
Klangsteigerung bewirken können. Glimmerkondensator im µF-Bereich
sind eine Seltenheit.
Seit Mitte 2005 bieten wir
Glimmerkondensatoren
mit Metallfolien an (keine Silberbedampfung), deren Werte z.Zt. bis
6,8µF reichen. Somit stehen diese edlen Kondensatoren auch für
High-End-Frequenzweichen zur Verfügung. |
4.
Einspielzeit von Kondensatoren
| Diese Thema ist noch in
Arbeit |
Um als Hersteller
oder
Anwender
den
optimalen Kondensator für eine Audioanwendung zu ermitteln, stehen
also eine Menge Überlegungen an. Eine enge Zusammenarbeit zwischen
Hersteller und Anwender dürfte das beste Ergebnis erzielen.
Unsere
jetzt und in Zukunft angebotenen Kondensatoren
orientieren
sich an den oben beschriebenen Zusammenhängen
Alle
wichtigen Parameter, wie Toleranz, Tangens-Delta, ESR, Konstanz zwischen
100Hz-100kHz, usw. überprüfen wir selbst im Hause mit einem
hochkarätigen kalibrierten Messgerät.
Tol.
0,05%; Auflösungen: tan-d: 0,00001; 0,1nH; 0,0001pF, ESR 0,01mOhm
(Kelvin-Prüfkabel).
Somit
können wir die Herstellerangaben ständig überprüfen
und sicherstellen, dass die Kondensatoren wirklich alle Werte einhalten
und die wichtigen audiophilen Eigenschaften erfüllt werden, die wir
für eine harmonische Einfügung in anspruchsvollen Audio-Anwendungen
erwarten.
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