Kondensatoren und Klang
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Der Kondensator ist wohl das wichtigste passive Bauteil in der Audiokette
Kein anderes Bauteil wird mit so viel Interesse behandelt und akribisch ausgesucht.
Es gibt eine Unmenge von Kondensatoren auf dem Markt. Angefangen von einfachen Ausführungen bis hin zu extremen Typen, die an die Grenze des Machbaren reichen.
Deshalb versuchen wir hier, die physikalischen Zusammenhänge dieses interessanten und oft begehrten Bauteiles auf einfache Weise, auch im Zusammenhang mit der Wahrnehmung des menschlichen Gehörsinnes, zu beschreiben, damit der Anwender eine mögliche Beziehung zu den klanglichen Eigenschaften selbst herstellen kann. 

Die Themen

1. Kleine Kondensatorlehre
2. Welche Parameter beeinflussen den Klang?
3. Wie sollte der kompromisslose Kondensator aufgebaut sein?
4. Einspielzeit von Kondensatoren.
1. Kleine Kondensatorlehre
Um die Daten eines Kondensators in Audioschaltungen besser beurteilen zu können, sollte man ein paar Grundfunktionen verstehen. Ein Kondensator besteht aus zwei gegenüberliegenden elektrisch leitenden Flächen, die voneinander isoliert sein müssen. Legt man eine Spannung an die beiden "Platten", so fließt kurzzeitig ein Strom, bis die Platten auf die angelegte Spannung aufgeladen sind. Danach fließt kein Strom mehr. Die Spannung wird ähnlich wie in einem Akku gespeichert. Belastet man den Kondensator mit einem Widerstand, so fließt ein Strom durch diesen, bis der Kondensator wieder entladen ist.
Die Strommenge, die ein Kondensator aufnehmen kann, hängt von der Größe seiner Kapazität ab. Die Größe der Kapazität hängt im wesentlichen von drei Faktoren ab:
1. Die Größe der gegenüberstehenden Flächen.
2. Der Abstand zwischen den beiden Flächen. Je kleiner der Abstand, desto größer die Kapazität.
3. Die Isolationsfaktor zwischen den Flächen. Je höher der Isolationsfaktor, desto größer die Kapazität (Luft ist ein schlechter Isolator).

Wie wirkt ein Kondensator?
Das kommt auf den Anwendungsfall an. Wenn man, wie in der nebenstehenden Skizze gezeigt, über einen Widerstand vorerst eine Gleichspannung anlegt, geschieht folgendes. Über den Widerstand fließt ein Ladestrom durch den Kondensator. Je höher die Spannung am Kondensator steigt, desto weniger Spannung fällt über den Widerstand ab und desto weniger Strom fließt gegen Ende des Ladevorgangs. (Die Kurve der Ladespannung entspricht daher einer "e-Funktion"). Je größer der Widerstand und je größer die Kapazität, desto länger dauert das Aufladen.
Beim Anlegen einer Wechselspannung sieht die Sache etwas anders aus. Bei niedriger Frequenz hat der Kondensator Zeit, sich aufzuladen und bei umgekehrter Polarität wieder zu entladen.
Bei höheren Frequenzen hat er keine Zeit, sich aufzuladen, wenn die Sinusspannung ihre max. Höhe erreicht hat und wieder abfällt. Die Schaltung lässt also tiefe Frequenzen besser durch, während hohe Frequenzen abgeschwächt werden (Tiefpass). Bei einem bestimmten Verhältnis zwischen Widerstand, Kapazität und Frequenz hat der Kondensator die 0,707-fache Spannung. Das nennt man dann ein -3dB Filter mit 6dB/Oct Flankensteilheit.

Das Ganze funktioniert entsprechend umgekehrt. Nebenstehende Skizze zeigt einen Hochpass. Wird eine Eingangsspannung angelegt, fließt wiederum ein Ladestrom über den Kondensator und Widerstand. Jetzt werden hohe Frequenzen ungehindert durchgelassen. Wechselt die Polarität der Eingangsspannung, hat der Kondensator noch keine Zeit gehabt, sich aufzuladen. Somit folgt die Ausgangsspannung der Eingangsspannung. Steigt und fällt die Eingangsspannung hingegen langsam, (tiefe Frequenzen) wird der Kondensator über den Widerstand geladen und entladen, wodurch die Ausgangsspannung nahe Null bleibt. Erst wieder bei einem bestimmten Verhältnis zwischen Widerstand, Kapazität und Frequenz liegt am Widerstand die 0,707-fache Spannung an. Auch hier entsteht dadurch ein -3dB Filter mit 6dB/Oct Flankensteilheit.

Die beiden genannten Schaltungen sind perfekt, da sie niemals einen reinen Sinus-Ton verändern können. Ein vollkommenes Sinus-Signal bleibt nach Durchlaufen eines Kondensators immer ein vollkommenes Sinus-Signal, auch wenn es abgeschwächt und somit auch zeitversetzt wird. Aber - Ja, jetzt kommt das große "Aber".

Das ganze gilt nur, wenn wir einen idealen Kondensator hätten - und den gibt es nicht. Man kann sich nur durch eifrige Forschung und Entwicklungsarbeit immer näher an dieses Ziel heranarbeiten. Ein Kondensator beeinflusst auf verschiedene Weise den Klang - je nach Aufbau, Qualität und technischer Parameter. Daher muss man erst einmal die "Störfaktoren" eines Kondensators genauer betrachten.
Daraus ergibt sich die Frage:


2. Welche Parameter beeinflussen den Klang?
Ein Kondensator wäre ideal, wenn er nur rein kapazitiv wirken würde. Aufgrund seines Aufbaus, Wickeltechnik, Kontaktierungen, Folien- und Isoliermaterialien kommen einige unerwünschte Effekte hinzu. Diese bestehen hauptsächlich aus zusätzlichen Induktivitäten und Widerständen. Das Ganze kann man als ein Ersatzschaltbild darstellen.

Die Induktivität (Wechselstromwiderstand) und der Ohmsche Anteil des Wechselstromwiderstandes (=ESR =Ersatzserienwiderstand) sind zwar nicht real als Bauteil vorhanden, jedoch verhält sich ein Kondensator diesem Schaltbild entsprechend und verändert daher die Wirkung der oben gezeigten Filter- und Koppelschaltungen in messtechnischer und klanglicher Hinsicht.
Der ohmsche Anteil setzt sich aus Teilwiderständen zusammen, wie z.B. dem Zuleitungs- und Folienwiderstand und verändert sich über der Frequenz. Die Induktivität ist ebenfalls ein frequenzabhängiger Widerstand, und somit auch klangbeeinflussend, da nicht jede Frequenz gleichbehandelt wird und sich bei einer bestimmten Frequenz eine Resonanz einstellt. Ein Hochpass hat somit keine unbegrenzte obere Frequenz.

Zwei Fragen versuchen wir jetzt zu klären:
A. Wodurch entstehen die unerwünschten Eigenschaften?
B. Welche Auswirkungen auf den Klang haben sie?

A. Dazu muss man noch einmal genau den Kondensatoraufbau betrachten. Wie schon erwähnt, besteht ein Kondensator aus zwei gegenüberliegenden leitenden Fächen. In der Praxis sieht das so aus, dass in der Regel ein Isoliermaterial als Folie entweder mit einer leitenden Schicht bedampft wird, oder zwischen zwei reinen Metallbelägen liegt. Zwei solcher Anordnungen werden übereinandergelegt und aufgewickelt, oder kleine Einzelfolien einzeln geschichtet. Die Enden werden kontaktiert und als Anschlussdraht herausgeführt.
Die zusätzliche Induktivität entsteht durch einen Wickel, der sich hier ähnlich verhält wie eine Spule - wenn keine Stirnkontaktierung stattfindet - und somit den Lade/Entladestrom bremst. Auch Schichtkondensatoren haben eine Rest-Induktivität, da jeder Leiter eine zur Länge proportionale Induktivität besitzt. Zusätzlich bilden die inneren Kontaktierungen Induktivitäten.
Der Widerstand (ESR=ohmsche Anteil des Wechselstromwiderstandes) zeigt sich überall dort, wo durch Stromfluss Wärme entsteht. Das sind wiederum die Kontaktierungen, die Folienlängen und Materialbeschaffenheiten. Er errechnet sich aus dem Tangens-Delta und Serienkapazität.

Wie tan-dund ESR zusammenwirken, zeigen die nachstehenden einfachen Formeln
Formel 1 (leicht zu merken)
tan-d = 2pi  x  f  x  C  x  ESR

Formel 2 (Formel 1 umgestellt)
ESR = tan-delta / (2pi  x  f  x  C)

Die Induktivität kommt erst bei sehr hohen Frequenzen mit ins Spiel, und hat somit bis 100kHz auf den tan-delta einen verschwindend geringen Einfluss, so dass wir "L" aus der Formel rauslassen.

Da der ESR mit dem tan-d verbunden ist, ist er ebenfalls frequenzabhängig. Der ESR sinkt mit steigender Kapazität.
Aus der Formel ist folgendes zu erkennen: Steigt bei hohen Freuenzen der tan-d stark an, bleibt der ESR dabei relativ konstant. Bei kleinem tan-d-Anstieg sinkt der ESR bei hohen Frequenzen deutlich mehr. Das ist von der Beschaffenheit des Kondensators abhängig.

Was ist der Verlustwinkel "Tangens-Delta"?
Das ist das Verhältnis von ESR zu Blindwiderstand ZLC
Der Tangens-Delta gibt somit an, um welchen Faktor der Strom gegenüber der Spannung am Kondensator abweicht  (Idealfall: Strom = 90° voreilend; tan-d = 0). Dieser sogenannte Verlustwinkel stellt -einfach gesagt- die Summe der unerwünschten elektrischen Auswirkungen dar. Der Verlustwinkel wird vom ESR, von der Induktivität und vom Material des Dieelektrikums bestimmt, das bei schneller Umpolung der Kondensator-Beläge wie eine Bremse wirkt.
Die Werte der verschiedenen Verlustfaktoren zueinander bestimmen den Tangens-Delta-Verlauf über die Frequenz. Der für Audio interessante Bereich ist 1-100kHz.
Die Werte der besten Kondensatoren laut Herstellerangaben (meistens auf 1µF bezogen):
tan-d bei 1kHz:   durchschnittlich 3x10-4 (0,0003)
tan-d bei 10kHz: durchschnittlich 4x10-4 (0,0004)
tan-d bei 100kHz: ca. 3x10-2 bis 3x10-3 (0,03-0,003)
Der "Tangens-Delta" ist frequenzabhängig über dem Blindwiderstand und temperaturabhängig über dem ESR.
Der "Tangens-Delta" steigt normalerweise mit der Frequenz, mit der Kapazität und mit der Temperatur.
Das Steigen  des "Tangens-Deltas" mit der Frequenz bedeutet, dass die Spannungssteilheit eines Kondensators begrenzt ist. Die Spannungssteilheit (dV/dt = delta Volt / delta time) ergibt sich aus Frequenz und Spannung, wo der Kondensator noch relativ niedrig in den Verlusten bleibt.
Die Spannungssteilheit ist ein Absolutwert und daher aussagekräftiger

B. Die klanglichen Auswirkungen von Induktivität, ESR und tan-d.
Der Wert des Tangens-Delta bei einer bestimmten Frequenz ist nicht immer aussagekräftig für den Klang, eher der Gesamtverlauf bis 100kHz. Steigt er stark an, werden nicht alle Frequenzen gleich behandelt, ändert er sich zwischen 1kHz und 100kHz weniger (wie z.B. bei Metallfolienkondensatoren üblich), so dürfte das Frequenzspektrum eines Impulsgemisches zeitgenauer übertragen werden.
Ein Kondensator würde also hohe Frequenzen unbegrenzt durchlassen, oder kurzschließen, wenn die Verluste nicht wären. Schaltet man ihn  in Reihe vor einen Mittel- oder Höchtöner, oder als Kopplung in Audioschaltungen, bremst er also Impulse ab einer bestimmten Steilheit, mehr oder weniger ab - je nach Verlustfaktoren. Das hat zur Folge, dass nicht alle Frequenzen im Durchlassbereich gleichbehandelt werden. Höchste Frequenzen werden Amplituden- und zeitverschoben = differenzielle Phasenfehler.
Allerdings sollte man bedenken, dass 1m Kabel mehr Induktivität hat (ca. 800nH), als ein guter Kondensator (ca. 10-40nH).
Somit ist die Induktivität eines Kondensators an manchen Stellen in einer Frequenz-Weiche völlig unwichtig. (siehe Ersatzschaltbild am Anfang dieses 2. Kapitels)
 

Die folgenden Zusammenhänge sollte man sich genau merken!! (gelten nicht nur für Kondensatoren).
Jeder Impuls (oder ein komplexes Signalgemisch), egal welche Form, setzt sich immer aus vielen verschiedenen Teil-Sinusfrequenzen zusammen (nach der Analyse von Fourier), wodurch so ein Signalgemisch nach Durchlaufen eines Bauteiles, eines Kabels, eines Übergangskontaktes, o.ä., durch Zeitversetzung der einzelnen Teilfrequenzen mehr oder weniger verändert wird.
Info-Links
Info Fourieranalyse
hier klicken.
Fourieranalyse mit Mathematica
Diplomarbeit;
Fourieranalyse - Musik - Gehirn
Fouriersynthese
Generatoren zur Erzeugung beliebiger
Signalformen mit Sinuskurven
 hier und hier
oder Suchbegriff < fourier analyse applet >
(oder das Suchwort "Fourieranalyse" in einer Suchmaschine eingeben).

Wenn auf das Ohr ein gewaltiger Schwingungsmix in Form einer sehr komplexen Schalldruckfunktion, wie z.B. Musik, trifft, können wir dennoch einzelne Instrumente und Töne heraushören, da unser Gehirn nämlich auch eine Art Fourieranalyse vornimmt. Ein mathematisch sehr komplexer Vorgang.

Gerade im Hüllkurvenbereich von Instrumenten wirkt dies sehr dramatisch. Die Hüllkurve ist der wichtigste Moment im Schalldruckverlauf und stellt den Anfangsimpuls (oder Anschlag) eines Instrumentes dar.
Wir haben die Möglichkeit auf einem Synthesizer Hüllkurven zu generieren oder zu löschen. Löscht man die ersten Millisekunden eines Klavieranschlages, ist anschließend das Instrument ohne diesen Anschlag kaum noch erkennbar. Es besteht aus einem fast reinen Sinuston.
In der Hüllkurve (auch Transienten = einmalige flüchtige Ereignisse) sind alle Informationen des Schallereignisses enthalten wie, Art des Instrumentes, Richtung und Platzierung im Raum, Lautstärke über der Entfernung des Instrumentes (unabhängig von der tatsächlich empfundenen Lautstärke).
Hüllkurve und Oberschwingungen enthalten sogar Signale, die es uns ermöglichen Klänge zu erkennen, in denen bestimmte Informationen verlorengegangen sind: So kann man aus einem Mini-Lausprecher, der keine tiefen Töne überträgt, einen Kontrabass heraushören, da unser Gehirn aus der Information der Hüllkurven und Oberschwingungen den tiefen Ton interpretiert und wir meinen ihn zu hören.
Das Gleiche gilt beim Loslassen einer Gitarrenseite - oder wenn beim Trommelanschlag der Stock die Trommelhaut berührt - ja, jeder Startmoment eines Geräusches enthält eine einmalige komplexe Schallinformation. Auch die Überlagerung von Raumhall zum Originalschall muss mikrosekundengenau übereinstimmen, damit das Ohr den exakten Ort im Raum ausmachen kann.

Daher wirken sich feinste Nuancen in der Impulsverarbeitung von Bauteilen oft dramatisch auf den Klang aus.
Beim Kondensator ist somit die Dynamik der einzelnen Bestandteile des Verlustfaktors maßgeblich an diesen Vorgängen beteiligt, und nicht ein einzelner statischer Wert. Daher klingt jeder Kondensator schon deshalb anders als andere, weil bei Kondensatoren kaum alle Parameter gleiche Werte zueinander aufweisen und somit jeder die Transienten auf seine Weise beeinflusst. Daher ist die reine Sinuswidergabefähigkeit eher unwichtig; genauso, wie ein reiner Sinus langweilig klingt.

Man kann somit  schlussfolgern, dass die Induktivität weniger wichtig als der gleichmäßige Tangens-Delta-Verlauf ist, was einem sinkenden ESR bei hohen Frequenzen entspricht.
(Der ESR muss auch für Hochstrombelastungen möglichst niedrig sein, da sich sonst der Kondensator zu sehr erwärmt, was sich negativ auf andere Eigenschaften auswirkt.)
Gemäß obigen Formeln würde ein kleiner Tangens-Delta-Anstieg von 1 bis 100kHz in Zusammenhang zu einem gleichzeitig stärker sinkenden ESR stehen. Zeitverzerrte Frequenzen würden dann weiter in Richtung MHz-Bereich verschoben werden (=geringste differenzielle Phasenfehler im Audiobereich).
Aus ähnlichen Gründen strebt man auch bei audiophilen Verstärkern Anstiegszeiten von unter 1µs an (ca. 1MHz Bandbreite), um Lautsprecherchasis, die besonders auf Zeitgleichheit ausgelegt sind, optimal anzusteuern (siehe z.B. Manger-Schallwandler).


3. Wie sollte der kompromisslose Audio-Kondensator aufgebaut sein?
Ein Kondensator, der dem audiophilen Ideal am nächsten kommt, sollte also vorrangig einen möglichst über die Frequenz gleichmäßigen Tangens-Delta-Verlauf aufweisen, bzw. alle Maßnahmen sollten getroffen sein, um eine möglichst schnelle und zeitlich lineare Übertragung aller geforderten Frequenzen bei kleinen und großen Strömen zu ermöglichen.
Also kurz gesagt: Er soll das Audiosignal gar nicht beeinflussen.
Durch bestimmte Wickel/Schicht-Techniken und Stirnkontaktierungen lassen sich die Induktivitäten heute so weit reduzieren, dass sie fast nur noch von den Anschlussdrähten und der inneren Kontaktierung bestimmt werden. Richtwert ca. 0,8nH pro mm.
Die Kapazität wird nicht nur von der Flächengröße der leitenden Beläge bestimmt. Ein möglichst kleiner Abstand und möglichst hoher Isolationsfaktor zwischen den Belägen vergrößert die Kapazität - oder verringert den Materialaufwand (also auch die Verluste) bei gleicher Kapazität. Die Isolation zwischen den Belägen sollte also sehr homogen (spiegelglatt) sein, um Lufteinschlüsse zu vermeiden, da Luft ein schlechter Isolator ist.
Auch hohe Impulstromfähigkeit und mechanische Stabilität ist erwünscht, da der Strom mit der Schnelligkeit steigt und die Kondensatorplatten sich durch schnelle Polaritätsänderungen anziehen und abstoßen, was die Kapazität verändern kann und Mikrofonie-Empfindlichkeit begünstigt. Beides wird durch massive Metallfolien verringert.

MKP-Kondensatoren
Als hervorrangendes Isolations- und Trägermaterial (Dielektrikum) hat sich Polypropylenfolie (PP) erwiesen. Es weist den geforderten hohen Isolationswiderstand auf und kann sehr dünn hergestellt werden. Metallisiert nennt man es MKP-Folie. Das Material und die Technik des aufgedampften Metall-Belages ist auch sehr maßgebend.
Die durchschnittliche Stärke des aufgedampften Metallbelages beträgt ca. 0,05µm.
Als Belag wird hauptsächlich Alu, bzw. Alu-Zink verwendet.
Silber hat einen ca. 1,7-fach höheren Leitwert als Alu und wird gewöhnlich als Pastengemisch auf die Folie aufgetragen.
Eine höherer Leitwert trägt vermutlich wesentlich zur Klangverbesserung bei.
MKP-Kondensatoren haben ein größeres Volumen, als solche mit einfacheren Materialien aufgebauten, sind jedoch noch relativ kompakt gegenüber denen mit reinen Metallfolien. Die Spannungssteilheit liegt im Mittel bei 1-100V/µs (je nach Spannungsfestigkeit).

Eine Steigerung der Strom- und Spannungsanstiegs-Geschwindigkeit (ca. 2-fach), die nicht nur in Frequenzweichen sondern auch bei Kleinsignalkoppelungen wegen der Impulsgenauigkeit vorteilhaft sein kann, lässt sich z.B. durch eine doppelseitige Metallisierung (MMKP) mit zusätzlicher PP-Folie erzielen.

Film-Foil-Kondensatoren (auch KP oder Metallfilm)
Eine besonders hohe Steigerung der Spannungssteilheit (dv/dt = >1000V/µs) und somit auch des Leitwertes, lässt sich durch die bekannten und begehrten FILM-FOIL (KP)-Kondensatoren erzielen. Hier wird statt des aufgedampften Metallbelages eine massive Metallfolie verwendet (z.B. Alu (Alu-Zink), Kupfer, Zinn, Silber).
Durch Auswahl einer hohen Folienstärke von ca. 10µm kann eine enorm höhere Leitfähigkeit und Impulsfestigkeit gegenüber wesentlich dünneren metallisierten Belägen erreicht werden (ca. 100-200-fach). Solche Kondensatoren sind bei hohen Kapazitäten allerdings sehr groß. Deshalb gibt es selten Werte über 10-20µF. 
Messungen zeigen, dass Kondensatorarten mit Metallfolien in der Regel einen kleineren Anstieg des Verlustfaktors bei 100kHz gegenüber 1kHz aufweisen. MKPs ca. 30 bis 100-fach, Metallfolien ca. 30-fach und weniger, Metallfolien in Ölpapier, je nach Material, 3- bis 5-fach (alles auf 1µF bezogen). Je geringer der Anstieg, desto höher die Spannungssteilheit dV/dt und geringer die differenziellen Phasenfehler für Impulse im Audiobereich - besonders bei höheren Spannungen.
Ein MKP-Kondensator könnte bei höheren Spannungen im Audiobereich schon die Grenze seiner Steilheit erreicht haben. Die Steilheit eines guten KP-Kondensators liegt auch bei höchsten Spannungen weit außerhalb des Audiobereiches.
Nachteilig könnte bei den Metallfolien das größere Volumen und die fehlende Selbstheilfähigkeit bei Durchschlägen sein.
Letzteres erfordert die richtige Materialauswahl und eine besonders hohe Qualität in der Fertigung und somit eine sorgfältige Auswahl des Herstellers.


Zur Steigerung der Betriebsspannung (>600VDC) sind innere Reihenschaltungen üblich. Dadurch liegt an einem Teilkondensator nur die Hälfte der Spannung an, wdurch man den überproportionalen Isolationsaufwand bei höheren Spannungen minimieren kann.
Reihenschaltung
Stirnkontaktierter Wickelkondensator
Seitenansicht
Reihenschaltung zur Spannungserhöhung.
An jedem Teilkondensator liegt nur die
Hälfte der Betriebsspannung an
Reihenschaltung in der Praxis:
Jeder zweite Belag ist in der Mitte unterbrochen.
Bei genauem Hinsehen kan man die
linke Schaltung wiedererkennen

Ölpapier-Kondensatoren
Wird Papier als Isolator der Metallfolien verwendet, wird dieses mit Öl getränkt, um die Alterungsprozesse des Papiers zu minimieren und die Oberfläche des "rauhen" Papiers zu homogenisieren, was den Isolationsfaktor erhöht. Die Steilheit gegenüber metallisierten Belägen ist auch hier drastisch erhöht und bietet einen gleichmäßigeren Verlauf des Verlustfaktors über der Frequenz. Jedoch altert ein Ölpapierkondensor oft frühzeitig.
Glimmer-Kondensatoren

Glimmer ist ein Dielektrikum der besonderen Art mit ebenfalls extrem niedrigen Verlustfaktoren. Solche Kondensatoren gibt es meistens nur in sehr kleinen Werten, da sie sonst ungewöhnlich groß und teuer wären. Außerdem sind die erzielten extremen "Schnelligkeiten" meist nur bei Hochfrequenz gefordert, wo ohnehin nur kleine Kapazitäten eingesetzt werden. Die Werte liegen in der Regel zwischen <1pF bis 100nF, bei kleinen Spannungen auch bis über 100nF.

Glimmer, ein Naturprodukt das sich über Millionen von Jahre abgelagert hat, ist ein ideales Dielektrikum für Kondensatoren mit folgenden Eigenschaften:

· weiter Temperaturbereich von -55°C bis +200°C
· extreme Stabilität über den gesamten Temperaturbereich typisch 0 bis +70ppm/°C
· hohe Spannungsfestigkeit bis 150KV
· einsetzbar für hohe Frequenzen bis in den GHz-Bereich

Glimmerkondensatoren bestehen in der Regel aus Glimmerpapier (Mica-Paper) mit einer aufgedampften Silberschicht, und können eine Spannungssteilheit von über 100.000V/µs und Induktivitäten bis unter 3nH erreichen. Sie sind sehr beliebt in Filterschaltungen, wo sie aufgrund ihrer Eigenschaften eine beträchtliche Klangsteigerung bewirken können. Glimmerkondensator im µF-Bereich sind eine Seltenheit.
Seit Mitte 2005 bieten wir Glimmerkondensatoren mit Metallfolien an (keine Silberbedampfung), deren Werte z.Zt. bis 6,8µF reichen. Somit stehen diese edlen Kondensatoren auch für High-End-Frequenzweichen zur Verfügung.

4. Einspielzeit von Kondensatoren

Diese Thema ist noch in Arbeit
Um als Hersteller oder Anwender den optimalen Kondensator für eine Audioanwendung zu ermitteln, stehen also eine Menge Überlegungen an. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Anwender dürfte das beste Ergebnis erzielen.
Unsere jetzt und in Zukunft angebotenen Kondensatoren
orientieren sich an den oben beschriebenen Zusammenhängen 
Alle wichtigen Parameter, wie Toleranz, Tangens-Delta, ESR, Konstanz zwischen 100Hz-100kHz, usw. überprüfen wir selbst im Hause mit einem hochkarätigen kalibrierten Messgerät.
Tol. 0,05%; Auflösungen: tan-d: 0,00001; 0,1nH; 0,0001pF, ESR 0,01mOhm (Kelvin-Prüfkabel).
Somit können wir die Herstellerangaben ständig überprüfen und sicherstellen, dass die Kondensatoren wirklich alle Werte einhalten und die wichtigen audiophilen Eigenschaften erfüllt werden, die wir für eine harmonische Einfügung in anspruchsvollen Audio-Anwendungen erwarten.